Wer einen Bergamasker zum ersten Mal sieht, hält die schweren Fellplatten leicht für einen Pflegefehler. Der FCI-Standard verlangt sie aber: Das wollige Haar verbindet sich mit der Unterwolle zu Filzmatten, die ihn wie ein Mantel vor Wetter und Kälte schützen.
| FCI | Gruppe 1 (Hütehunde und Treibhunde), Sektion 1 Schäferhunde, Standard Nr. 194, mit Arbeitsprüfung |
|---|---|
| Ursprungsland | Italien |
| Größe (Widerrist) | Rüden ideal 60 cm, Hündinnen ideal 56 cm, jeweils 2 cm Toleranz nach oben oder unten |
| Gewicht | Rüden 32 bis 38 kg, Hündinnen 26 bis 32 kg |
| Lebenserwartung | keine belastbare Studienzahl gefunden (N/V) |
| Fell | sehr reichlich und lang; vorn harsch wie Ziegenhaar, ab der Brustmitte nach hinten wollig und mit der Unterwolle zu Filzplatten verbunden; Flockenbildung ab 12 bis 15 Monaten; Haar fällt über das Gesicht |
| Farben laut Standard | Grau einfarbig oder gefleckt in allen Graunuancen bis Schwarz, Isabell- und Fawntöne zugelassen, Einfarbig Schwarz nur tiefschwarz; Weiß auf höchstens einem Fünftel des Körpers |
Von den Almen in die Po-Ebene
Verbreitet war der Hirtenhund im ganzen italienischen Alpen- und Voralpenraum, besonders zahlreich aber in den Tälern um Bergamo, wo viele Schafe gehalten wurden. Unentbehrlich war er, wenn die Herden im Herbst von den Almen hinunter in die Po-Ebene zogen. Ein Gemälde aus dem 16. Jahrhundert zeigt die Rasse bereits, im italienischen Zuchtregister taucht sie 1891 auf. Endgültig anerkannt hat die FCI den Bergamasker am 23.02.1956, sie führt ihn mit Arbeitsprüfung.
Gelassen, geduldig, eng gebunden
Seine Aufgabe ist laut Standard das Führen und Bewachen der Herde. Dafür bringt er Wachsamkeit, Konzentration und psychisches Gleichgewicht mit. Er lernt gut, trifft eigene Entscheidungen und bleibt dabei gelassen und geduldig. Das macht ihn zu einem guten Wach- und Begleithund, der eine enge Bindung zu seinen Menschen eingeht. Aggressiv oder ängstlich darf er nie sein, eine gewisse Zurückhaltung gegenüber Fremden ist aber typisch.
Ausdauernd im langen Trab
Seine bevorzugte Gangart ist ein langer, ausdauernder Trab, den Galopp hält er lange durch. Wanderungen, Hütearbeit, Fährten oder Nasenspiele lasten ihn aus. Reine Spaziergänge um den Block reichen ihm nicht.
Filzplatten richtig pflegen
Gebürstet wird der Bergamasker kaum. Ab etwa einem Jahr beginnen sich die Platten zu bilden, dann trennst du sie über Monate von Hand, damit sie nicht zu einer großen Matte zusammenwachsen. Laut Standard wechselt das wollige Fell nicht. Bart, Fang und Ohren sollen nicht verfilzen, und ein so langes Haarkleid, dass es den Hund in der Bewegung behindert, ist ausdrücklich unerwünscht. Nach einem Bad dauert das Trocknen viele Stunden. Verwandte Filzträger sind der Komondor und der Puli.
Gesundheit: kaum erforscht
Eine Studie zur Lebenserwartung oder zu typischen Krankheiten haben wir für den Bergamasker nicht gefunden, McMillan und Kollegen haben ihn nicht ausgewertet. Der Standard schließt Hunde mit sehr kleinen Augen oder Schielen von der Zucht aus. Frag beim Züchter nach Hüftbefunden der Eltern und nach ihrem Alter. Unter den Platten verstecken sich Hautprobleme leicht, deshalb tastest du ihn regelmäßig bis auf die Haut ab.
Ein Gewinn für dich, wenn
du einen ruhigen, sozialen Begleiter suchst, gern draußen unterwegs bist, Geduld für ein ungewöhnliches Fell hast und einen Hund schätzt, der mitdenkt und eng an dir hängt.
Weniger geeignet, wenn
du einen pflegeleichten Hund willst, einen gepflegten Teppich verteidigst oder kaum Zeit für Auslauf hast. Ein Bergamasker nach einem Regenspaziergang bringt viel Wasser und Natur mit nach Hause.
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Quellen, abgerufen am 20.10.2026: FCI-Standard Nr. 194 Cane da Pastore Bergamasco (fci.be, deutsche Fassung vom 15.09.2020, gültiger Standard publiziert 04.09.2020); McMillan KM et al., Longevity of companion dog breeds: those at risk from early death, Scientific Reports 2024.
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