Rot: giftig oder gefährlich
Ja, Jakobskreuzkraut ist für Pferde sehr giftig, auch getrocknet im Heu. Die Datenbank CliniTox der Universität Zürich stuft Senecio jacobaea als sehr stark giftig ein. Das Tückische: Der Schaden baut sich langsam auf und zeigt sich oft erst nach Monaten.
Warum die Ampel auf Rot steht
Die Pflanze enthält Pyrrolizidinalkaloide. Die Leber wandelt sie in Stoffe um, die dauerhaft die Leberzellen schädigen. Laut CliniTox zählt die Gesamtmenge, egal über welchen Zeitraum sie gefressen wurde. Viele kleine Portionen wirken also wie eine große. Kochen zerstört die Gifte nicht, und sie bleiben in Heu und Silage wirksam.
Das Landesamt LALLF in Mecklenburg-Vorpommern beschreibt Pferde als besonders empfindlich. Junge, unerfahrene Tiere fressen die weniger bitteren Rosetten. Im Heu verschwinden die abschreckenden Duftstoffe, deshalb ist Jakobskreuzkraut vielerorts eher ein Problem der Winterfütterung als der Weide.
Erste Anzeichen können laut CliniTox zwischen 3 bis 5 Tagen und 6 Monaten nach der Aufnahme auftreten: Abmagerung, Appetitlosigkeit, Kolik, Verstopfung oder Durchfall, Gelbsucht und Lichtempfindlichkeit der Haut. Im späten Stadium kommen durch das Leberversagen Taumeln, zielloses Umherwandern und Kopfpressen dazu.
Worauf du achten solltest
- Erkennen: Laut Merkblatt des DLR Rheinland-Pfalz blüht die Pflanze von Juni bis September goldgelb, die Blätter sind fiederteilig und etwa 20 cm lang. Im ersten Jahr bildet sie nur eine flache Rosette.
- Weide pflegen: Jakobskreuzkraut breitet sich laut LALLF auf lückigen, übernutzten Pferdeweiden aus. Eine dichte Grasnarbe und rechtzeitiger Weidewechsel beugen vor.
- Mit Wurzel ausstechen: Einzelne Pflanzen sticht man laut LALLF möglichst tief aus. Ausgerissene Pflanzen gehören von der Fläche, denn Weidetiere fressen vertrocknetes Material gern.
- Heu prüfen: Heu von befallenen Flächen darf laut LALLF nur verfüttert oder verkauft werden, wenn das Kraut vorher entfernt wurde. Frag beim Heukauf nach.
- Kräutermischungen: Prof. Ingrid Vervuert weist in einem Fachvortrag darauf hin, dass auch Kräuterprodukte mit Pyrrolizidinalkaloiden verunreinigt sein können.
Was tun, wenn dein Pferd Jakobskreuzkraut gefressen hat?
Hast du Kreuzkraut im Heu oder auf der Weide entdeckt, stopp sofort die Fütterung und sprich mit deiner Tierärztin. Eine Blutuntersuchung kann zeigen, wie es der Leber geht. Eine Heilung ist laut LALLF bei fortgeschrittener Schädigung kaum noch möglich, deshalb zählt jede Woche.
Bei Anzeichen einer Vergiftung, einer Schlundverstopfung oder einer Kolik sofort die Tierärztin, den Tierarzt oder den tierärztlichen Notdienst rufen.
Häufige Fragen
Ist Jakobskreuzkraut im Heu giftig? Ja. Laut CliniTox bleiben die Gifte in Heu und Silage wirksam, und im Heu fehlt der bittere Geschmack, der Pferde auf der Weide abschreckt.
Wie viel Jakobskreuzkraut ist für Pferde tödlich? CliniTox nennt für Pferde eine tödliche Gesamtmenge von 5 bis 20 Prozent des Körpergewichts an frischer Pflanze, aufgenommen auch über lange Zeit.
Wann blüht Jakobskreuzkraut? Laut DLR Rheinland-Pfalz von Juni bis September mit goldgelben Blüten.
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Quellen, abgerufen am 05.11.2026: CliniTox, Universität Zürich, Pflanzengifte: Senecio sp.; Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei M-V, Jakobskreuzkraut auf landwirtschaftlichen Flächen in M-V (Informationsblatt); BFH-HAFL Equiflash, Kräuter in der Pferdefütterung (18.02.2025) (Prof. Dr. Ingrid Vervuert, Universität Leipzig); DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, Merkblatt Umgang mit Jakobskreuzkraut auf Vertragsnaturschutzflächen (2019)
