Im Merfelder Bruch bei Dülmen stehen Pferde, die niemand füttert und niemand eindeckt. Mausgraue und gelbliche Falben mit dunklem Aalstrich ziehen im Herdenverband durch Heide, Wald und Wiesen, das ganze Jahr über. Ein Teil ihrer Nachkommen landet jedes Jahr im Mai bei Menschen, die ein besonders genügsames Kleinpferd suchen.
| Typ | Pony, ursprüngliche Robustrasse |
|---|---|
| Herkunft | Deutschland, Merfelder Bruch bei Dülmen (Westfalen) |
| Zuchtverband | Ursprungszuchtbuch beim Westfälischen Pferdestammbuch; Filialzuchtbuch beim Rheinischen Pferdestammbuch |
| Stockmaß | laut Zuchtziel ca. 125 bis 135 cm |
| Farben | Falben in allen Variationen, alle mit Wildzeichnung; weiße Abzeichen nicht erwünscht |
| Verwendung | Familienpferd, Reiten und Fahren |
Herkunft und Geschichte
Die Dülmener sind eng mit einem Ort verbunden. Schon 1316 sicherten sich zwei Adlige urkundlich Rechte an Jagd, Fischerei und den wilden Pferden im Merfelder Bruch, so der Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Seit 1856 betreut die Familie der Herzöge von Croÿ die Herde. Die Wildbahn wuchs von etwa 35 auf über 350 Hektar, die Herde lebte dort 2007 mit rund 300 Tieren.
Seit 1907 werden jedes Jahr am letzten Samstag im Mai die einjährigen Hengste von Hand eingefangen und versteigert. Die Stuten bleiben ihr Leben lang in der Herde. Seit den 1950er Jahren wurden polnische Koniks eingekreuzt, um Inzucht zu vermeiden und den ursprünglichen Typ zu erhalten (LWL). Eine genetische Untersuchung von 101 Dülmener Wildpferden zeigte 2024 eine hohe genetische Vielfalt und eine klar abgrenzbare Population (Duderstadt und Distl 2024).
Exterieur
Das Zuchtziel nennt ein Stockmaß von etwa 125 bis 135 cm. Damit zählen Dülmener eindeutig zu den Ponys; als Grenze gilt international ein Stockmaß von 148 cm ohne Eisen (FN). Typisch ist die Falbfarbe mit Wildzeichnung, also dunklem Aalstrich auf dem Rücken. Weiße Abzeichen sind im Zuchtziel nicht erwünscht.
Neben den Wildpferden aus dem Bruch gibt es Dülmener, die in Privathand gezogen werden. Eine genetische Untersuchung konnte die Wildpferde klar von diesen Dülmener Reitponys unterscheiden (Duderstadt und Distl 2024).
Charakter (Interieur)
Das Zuchtprogramm beschreibt Dülmener als gutmütig, ausgeglichen und lernfreudig, dazu hart, robust und ausdauernd. Bei einem frisch aus der Wildbahn gefangenen Jährling heißt das aber nicht, dass er sich vom ersten Tag an anfassen lässt. Er kennt Menschen kaum. Halfterführigkeit, Hufe geben und Verladen muss er in Ruhe lernen, idealerweise mit jemandem, der Erfahrung mit jungen, menschenfremden Pferden hat.
Haltung und Fütterung
In der Wildbahn leben die Pferde ganzjährig ohne Zufütterung und ohne tierärztliche Versorgung (Duderstadt und Distl 2024). Das Zuchtprogramm hebt eine sehr gute Futterverwertung hervor. Genau das wird in der Privathaltung zum Problem: Ein Dülmener auf fetter Weide nimmt schnell zu. Leichtfuttrige Pony- und Pferderassen gelten als besonders anfällig für das Equine Metabolische Syndrom und Hufrehe; Futter über Bedarf, freier Zugang zu Gras und Bewegungsmangel sind die wichtigsten Risikofaktoren (Universität Leipzig).
Ideal ist ein Offenstall oder eine Gruppenhaltung mit viel Bewegung, rationiertem, strukturreichem Heu statt Kraftfutter, begrenzter Weidezeit im Frühjahr und einem Mineralfutter. Beobachte regelmäßig, ob sich Fettpolster am Mähnenkamm oder über der Kruppe bilden.
Gesundheit
Für Dülmener gibt es nach unserer Recherche keine veröffentlichten Daten zu rassetypischen Erbkrankheiten. Ein Selektionsziel des Zuchtprogramms ist ausdrücklich die Gesundheit. Das größte praktische Risiko in Menschenhand ist Übergewicht mit Folgen wie Insulinresistenz und Hufrehe. Ein plötzlich klammer Gang, Wärme in den Hufen oder eine Entlastungshaltung mit nach vorn gestellten Vorderbeinen sind ein Notfall für die Tierarztpraxis.
Für wen passt der Dülmener?
Für Familien und Reiter, die ein genügsames, ausdauerndes Pony für Ausritte und leichte Fahrarbeit suchen und Platz für eine robuste Gruppenhaltung haben. Wer Freude daran hat, ein junges Pferd von Grund auf auszubilden und Geduld mitbringt, erlebt mit einem Dülmener viel.
Für wen eher nicht?
Für Reitanfänger ohne erfahrene Begleitung, die einen ungezähmten Jährling ersteigern möchten. Auch wer nur Boxenhaltung mit reichlich Weide bieten kann, tut sich und dem Pony keinen Gefallen. Für den Turniersport im Großpferdebereich ist ein Dülmener zu klein.
Weiterführend: Was ein Pferd im Monat wirklich kostet, rechnest du mit unserem Pferdekosten-Rechner durch, und bevor du kaufst, hilft dir die Checkliste zum Pferdekauf. Ideen für den Stallnamen findest du bei unseren Pferdenamen, und dein eigenes Pferd gibt es als Pferdeportrait vom eigenen Foto.
Häufige Fragen
Wie groß wird ein Dülmener? Laut Zuchtziel erreicht ein Dülmener ein Stockmaß von etwa 125 bis 135 cm.
Kann man ein Dülmener Wildpferd kaufen? Ja. Seit 1907 werden die einjährigen Hengste aus dem Merfelder Bruch jedes Jahr am letzten Samstag im Mai gefangen und versteigert. Stuten bleiben in der Herde.
Werden Dülmener Wildpferde gefüttert? In der Wildbahn leben sie ganzjährig ohne Zufütterung und ohne tierärztliche Versorgung.
Welche Farbe haben Dülmener? Das Zuchtziel nennt Falben in allen Variationen mit Wildzeichnung, weiße Abzeichen sind nicht erwünscht.
Weiterlesen
Quellen, abgerufen am 05.11.2026: Zuchtprogramm Dülmener, Rheinisches Pferdestammbuch (Filialzuchtbuch), Stand 02/2025; LWL, Westfalen Regional: Die Dülmener Wildpferde (Stand 2007); Duderstadt S, Distl O: Genetic Diversity and Population Structure of Dülmen Wild, Liebenthal and Polish Konik Horses, Animals 2024 (DOAJ); FN: FAQ zum FEI-Ponymessen, Stand 2026; Schaller AW, Lohmann K, Vervuert I: Grundlagen der Energiestoffwechsel-Störungen beim Pferd, Informationsblatt Klinik für Pferde, Universität Leipzig.
