Ein Islandpferd im Winterfell sieht aus wie ein Teddybär mit Mähne. Sitzt du dann zum ersten Mal im Tölt, merkst du, warum so viele Menschen nicht mehr zurück wollen: Das Pferd läuft flott, und dein Kaffeebecher bliebe fast voll. Dahinter steckt eine Rasse, die über tausend Jahre auf einer rauen Insel geformt wurde.
| Typ | Gangpferd mit den Zusatzgangarten Tölt und Rennpass |
|---|---|
| Herkunft | Island |
| Zuchtverband in Deutschland | Islandpferde-Reiter- und Züchterverband (IPZV); Filialzuchtbuch u. a. beim Rheinischen Pferdestammbuch, Ursprungszuchtbuch in Island |
| Stockmaß | laut Zuchtprogramm ca. 135 bis 146 cm, bevorzugt mindestens 138 cm |
| Farben | alle vorkommenden Farben und Abzeichen, die Farbvielfalt soll erhalten bleiben |
| Verwendung | Freizeit- und Wanderreiten, Gangpferdesport, Familienpferd |
Herkunft und Geschichte
Mit den Wikingerschiffen kamen die Vorfahren der Islandpferde vor über 1000 Jahren nach Island. Dort wurden sie nach Angaben des IPZV rund zehn Jahrhunderte rein gezüchtet. Pferde waren lange das einzige Transportmittel der Insel, für Reisen, Lasten und den Schafabtrieb im Hochland. Vor etwa 50 Jahren kamen sie zurück auf den Kontinent. Als Islandpferd eingetragen wird nur, wessen Vorfahren sich lückenlos auf in Island geborene Pferde zurückführen lassen.
Exterieur
Das Zuchtprogramm nennt ein Stockmaß von etwa 135 bis 146 cm, bevorzugt mindestens 138 cm. Damit liegt das Islandpferd unter der Ponygrenze von 148 cm (FN), wird aber ausdrücklich als Reitpferd für Erwachsene gezüchtet. Gefragt sind ein kräftiger, gut bemuskelter Rücken mit großer Tragfähigkeit, sehr harte Hufe und dichtes Langhaar: Der Schopf reicht bis unter die Augen, der Schweif bis zu den Fesseln. Dazu kommt das sehr dichte Winterfell.
Das Besondere sind die Gänge. Neben Schritt, Trab und Galopp beherrschen die meisten Islandpferde den Tölt, einen Viertakt ohne Schwebephase, den es vom langsamen Tempo bis fast in Galoppgeschwindigkeit gibt. Viele zeigen zusätzlich den Rennpass, einen schnellen Zweitakt über kurze Strecken. Pferde mit allen fünf Gangarten heißen Fünfgänger, die anderen Viergänger (IPZV).
Charakter (Interieur)
Der IPZV beschreibt Islandpferde als freundlich, wagemutig, klug und lernwillig, leicht im Umgang und kooperativ, aber auch kraftvoll und arbeitswillig. Das halbwilde Leben in großen Herden hat selbstbewusste Pferde mit gutem Sozialverhalten hervorgebracht. Im Alltag heißt das: Sie denken mit, sie haben eine eigene Meinung und sie sind spätreif. Eingeritten werden sie meist erst mit vier Jahren.
Haltung und Fütterung
Islandpferde sind für Herdenhaltung mit viel Bewegung gemacht, Offenstall oder Aktivstall passen ideal. Dank ihres dichten Winterfells brauchen sie vor allem Schutz vor Nässe, Wind und Insekten, keine Wärme. Gefährlich ist eher die Futterfülle. In Dänemark war in einer Erhebung jedes zehnte erwachsene Islandpferd fettleibig (ECEIM-Konsens). Ponys und leichtfuttrige Rassen neigen stärker zum Equinen Metabolischen Syndrom und damit zu Hufrehe (University of Kentucky). Rationiertes Heu, Weidezeit mit Augenmaß und regelmäßige Arbeit sind deshalb wichtiger als jedes Ergänzungsfutter.
Gesundheit
Das größte rassetypische Problem auf dem Kontinent ist das Sommerekzem, eine allergische Reaktion auf Stiche von Gnitzen (Culicoides). In Island gibt es diese Mücken nicht, deshalb tritt die Krankheit dort nicht auf. In einer Langzeitstudie mit 145 aus Island in die Schweiz exportierten Pferden erkrankten 51 Prozent, im Mittel nach 2,5 Jahren (Torsteinsdottir et al. 2018). Wer ein in Island geborenes Pferd kauft, sollte das Risiko kennen und Ekzemerdecke, Stallzeiten in der Dämmerung und eine insektenarme Weide einplanen. Das Zuchtprogramm verlangt, dass ein bei Verbandsveranstaltungen festgestellter Verdacht auf Sommerekzem vermerkt wird.
Für wen passt das Islandpferd?
Für Freizeit- und Wanderreiter, Familien und Wiedereinsteiger, die ein trittsicheres, bequem zu reitendes Pferd fürs Gelände suchen. Auch erwachsene Reiter sind gut aufgehoben. Wer Spaß an Gangpferdeprüfungen hat, findet im Islandpferdesport eine eigene Turnierwelt.
Für wen eher nicht?
Für alle, die ein Pferd für klassische Dressur oder Springen auf höherem Niveau suchen. Schwierig wird es auch, wenn nur Boxenhaltung mit wenig Auslauf möglich ist oder die Weide in einem Gebiet mit vielen Gnitzen liegt und du keinen Ekzemschutz leisten kannst.
Weiterführend: Was ein Pferd im Monat wirklich kostet, rechnest du mit unserem Pferdekosten-Rechner durch, und vor dem Kauf hilft dir die Checkliste zum Pferdekauf. Ideen für den Stallnamen findest du bei unseren Pferdenamen, und dein eigenes Pferd gibt es als Pferdeportrait vom eigenen Foto. Alle Rassen im Überblick: Pferderassen von A bis Z.
Häufige Fragen
Wie groß wird ein Islandpferd? Das Zuchtprogramm nennt ein Stockmaß von etwa 135 bis 146 cm, bevorzugt mindestens 138 cm.
Ist ein Islandpferd ein Pony? Nach Stockmaß ja, denn die Ponygrenze liegt bei 148 cm. Gezüchtet wird es aber als Reitpferd, das auch Erwachsene trägt.
Was ist Tölt? Tölt ist ein Viertakt ohne Schwebephase, bei dem immer ein oder zwei Hufe am Boden sind. Für den Reiter fühlt er sich nahezu erschütterungsfrei an.
Wie häufig ist Sommerekzem bei Islandpferden? In einer Studie mit 145 aus Island in die Schweiz exportierten Pferden erkrankte gut die Hälfte innerhalb weniger Jahre.
Weiterlesen
Quellen, abgerufen am 05.11.2026: Rheinisches Pferdestammbuch: Zuchtprogramm Islandpferd (Stand 02/2025); IPZV: Das Islandpferd; FN: FAQ zum FEI-Ponymessen, Stand 2026; Torsteinsdottir S et al.: A prospective study on insect bite hypersensitivity in horses exported from Iceland into Switzerland, Acta Vet Scand 2018; Durham AE et al.: ECEIM consensus statement on equine metabolic syndrome, J Vet Intern Med 2019; University of Kentucky Cooperative Extension: Equine Metabolic Syndrome, Is My Horse Just Fat or Is He Sick? (ID-239).
