Vier weiße Beine, lange seidige Haare an den Fesseln und ein Schritt, bei dem jeder Huf hoch und sauber abfußt: Einen Clydesdale erkennst du schon von weitem. Viele kennen ihn aus Paraden und Werbefilmen. Gezüchtet wurde er aber für schwere Arbeit auf schottischen Höfen.
| Typ | Kaltblut, schweres Zugpferd |
|---|---|
| Herkunft | Schottland, Lanarkshire (alter Name des Bezirks: Clydesdale) |
| Zuchtverband | Clydesdale Horse Society (Großbritannien); einen deutschen Zuchtverband haben wir nicht gefunden |
| Stockmaß | laut Mad Barn meist 16 bis 18 Hand, also etwa 163 bis 183 cm; Hengste teils größer |
| Farben | meist Braune, Dunkelbraune und Rappen mit weißem Kopf und weißen Beinen; Füchse selten |
| Verwendung | Fahren, Paraden, Landwirtschaft, Freizeitreiten |
Herkunft und Geschichte
Laut Clydesdale Horse Society beginnt die Geschichte Mitte des 18. Jahrhunderts: Einheimische Stuten aus Lanarkshire wurden mit flämischen Hengsten gekreuzt, um mehr Gewicht und Substanz zu bekommen. Einen der ersten Hengste hielt der sechste Herzog von Hamilton für seine Pächter. Fast jeder Clydesdale mit Stammbaum führt auf die sogenannte Lampits-Stute zurück, die 1808 als zweijähriges Fohlen verkauft wurde.
Auf dem Höhepunkt hatte Schottland rund 140.000 Arbeitspferde, die meisten ganz oder teilweise Clydesdales. 1911 wurden 1.617 Hengste exportiert. Mit dem Traktor kam der Niedergang; 1975 stufte der Rare Breeds Survival Trust die Rasse als gefährdet ein. Heute gilt sie laut Society als at risk, also weiterhin beobachtungsbedürftig.
Exterieur
Mad Barn beschreibt ein gerades oder leicht konvexes Profil, eine breite Stirn, große Ohren, einen langen, gewölbten Hals, kurzen Rücken und muskulöse Hinterhand. Typisch ist der volle, seidige Behang. Die meisten Clydesdales stehen bei 16 bis 18 Hand, etwa 163 bis 183 cm, und können über 900 kg wiegen. Viel Weiß an Kopf und Beinen ist üblich und kann bis in den Körper laufen, sodass das Pferd stichelhaarig wirkt.
Mad Barn weist darauf hin, dass manche Halter den Schweif kupieren lassen. Das ist rein kosmetisch, schmerzhaft und nimmt dem Pferd die Fliegenabwehr; Tierärzteverbände in den USA lehnen es ab.
Charakter (Interieur)
Clydesdales haben den Ruf sanfter Riesen. Mad Barn beschreibt sie als ruhig, gut zu handhaben und auch in hektischer Umgebung konzentriert, mit großem Arbeitswillen. Nicht ohne Grund werden sie in Großbritannien als Paukenpferde der Household Cavalry bei königlichen Paraden eingesetzt. Ihre Größe kann für echte Anfänger trotzdem zu viel sein.
Haltung und Fütterung
Clydesdales sind leichtfuttrig und nehmen schnell zu (Mad Barn). Übergewicht belastet Gelenke und Hufe. Die Ration sollte genug Faser liefern, aber wenig Stärke und Zucker. Boxen müssen deutlich größer sein als für Warmblüter; besser ist Haltung mit viel Auslauf, denn Bewegung fördert den Kreislauf in den Beinen. Bei Hitze überhitzen schwere Pferde leichter.
Der Behang braucht Pflege: Halte die Fesseln sauber und trocken und schau regelmäßig unter die Haare. Rosa Haut am Kopf kann Sonnenschutz brauchen.
Gesundheit
Clydesdales gehören zu den Rassen, bei denen die Chronisch Progressive Lymphödem-Erkrankung (CPL) beschrieben ist: Die Unterbeine schwellen fortschreitend an, es bilden sich Hautfalten, Verdickungen und Wunden, und die Krankheit verkürzt oft das Leben (De Cock et al. 2003). Dazu kommt Mauke im Behang. Beides früh zu erkennen, ist das Wichtigste, was du tun kannst.
Bei der PSSM1-Mutation, die viele Kaltblutrassen tragen, wurden in der Studie von McCue et al. (2010) keine Clydesdales positiv getestet; die Autoren betonen aber, dass das ein Vorkommen nicht ausschließt. Mad Barn nennt zudem ein höheres Narkoserisiko beim Aufstehen und eine kürzere Lebenserwartung als bei leichteren Rassen.
Für wen passt der Clydesdale?
Für Fahrer, Liebhaber großer Pferde und Freizeitreiter, die ein ruhiges, eindrucksvolles Pferd suchen und Platz, Ausrüstung und Zeit für Beinpflege haben.
Für wen eher nicht?
Für Reitanfänger ohne Begleitung, für enge Ställe und kleine Hänger und für alle, die Kosten für Futter, Hufschmied und Tierarzt eines sehr großen Pferdes unterschätzen.
Weiterführend: Bevor du dich festlegst, geh die Checkliste zum Pferdekauf durch und rechne mit dem Pferdekosten-Rechner nach, was Stall, Futter, Hufschmied und Tierarzt im Monat ausmachen. Für den Namen gibt es unsere Pferdenamen, für die Wand ein Pferdeportrait vom eigenen Foto. Weitere Rassen findest du in der Übersicht Pferderassen von A bis Z.
Häufige Fragen
Wie groß wird ein Clydesdale? Laut Mad Barn meist 16 bis 18 Hand, das sind etwa 163 bis 183 cm; manche Hengste werden größer.
Woher kommt der Clydesdale? Aus Lanarkshire in Schottland. Clydesdale ist der alte Name dieses Bezirks am Fluss Clyde.
Hat der Clydesdale PSSM? In der großen Studie von McCue et al. 2010 wurde die PSSM1-Mutation bei Clydesdales nicht gefunden, ausgeschlossen ist sie damit aber nicht.
Was ist CPL beim Clydesdale? Eine fortschreitende Lymphödem-Erkrankung der Beine mit Schwellungen und Hautveränderungen, beschrieben bei Clydesdales, Shires und Belgiern.
Weiterlesen
Quellen, abgerufen am 05.11.2026: Clydesdale Horse Society: Breed History; Mad Barn: Clydesdale Horse Breed Guide; De Cock HEV et al.: Progressive swelling, hyperkeratosis, and fibrosis of distal limbs in Clydesdales, Shires, and Belgian draft horses, suggestive of primary lymphedema, 2003 (PubMed); McCue ME et al.: Estimated prevalence of the Type 1 Polysaccharide Storage Myopathy mutation in selected North American and European breeds, Animal Genetics 2010 (Zusammenfassung).
