Wer zum ersten Mal eine Lykoi sieht, schaut zweimal hin: kahle Partien um Augen und Nase, ein struppiges Fell aus schwarzen und weißen Haaren, dazu ein wacher Blick. Der Spitzname Werwolfkatze kommt nicht von ungefähr. Im Alltag pirscht sie sich an ihr Spielzeug heran wie an Beute und springt dann blitzschnell los.
| Anerkennung | FIFe nur vorläufig anerkannt (seit 2023); laut WCF-Liste anerkannt von WCF (Code LYS), CFA, TICA und weiteren Verbänden; GCCF vorläufige Anerkennung seit 2020 |
|---|---|
| Ursprungsland | USA |
| Gewicht | in den gelesenen Standards nicht festgelegt; verlangt wird ein schlanker, aber fester, muskulöser Körper |
| Fell | ohne Unterwolle, kurz bis mittellang, weich; an Beinen, Pfoten, Ohrrückseiten und Gesichtsmaske sehr spärlich oder fehlend; wechselt im Lauf des Lebens zwischen fast kahl und fast voll behaart |
| Farben laut Standard | Roan: farbige und weiße Haare gemischt, laut GCCF 30 bis 70 Prozent farbige Haare, ideal sind 50 Prozent; Schwarz ist am häufigsten |
| Aktivität | hoch, mit starkem Jagdtrieb (redaktionelle Einschätzung) |
Herkunft
Die Lykoi ist eine sehr junge Rasse. Laut GCCF erhielt Patti Thomas in Virginia 2010 zwei Kätzchen einer normal gefärbten schwarzen Hauskatze, die man zunächst für eine Sphynx-Mutation hielt. Sie kamen zum Tierarzt Johnny Gobble und seiner Frau Brittney nach Tennessee. Gentests an der Universität von Kalifornien in Davis zeigten, dass eine rezessive, mit anderen bekannten Haarlos-Mutationen nicht verwandte Mutation das Fell verursacht. Hautärzte schlossen Krankheiten oder Infektionen als Ursache aus. Das erste gezielt gezüchtete Lykoi-Kätzchen kam am 14. September 2011 zur Welt. Der Name stammt vom griechischen Wort für Wölfe.
Wesen
Die FIFe beschreibt Lykoi als freundlich und sehr anhänglich, oft ist von hundeähnlichen Katzen die Rede. Die GCCF nennt sie offen, aktiv und intelligent, mit ausgeprägtem Beutetrieb. Laut CFA jagt eine Lykoi lieber, als zu kuscheln, sucht aber trotzdem aktiv deine Aufmerksamkeit. In neuen Situationen ist sie anfangs zurückhaltend und braucht etwas Zeit. Sie gurrt, trillert und miaut, laut wird sie laut CFA aber meist nur, wenn sie sich vernachlässigt fühlt.
Haltung und Beschäftigung
Eine Lykoi braucht Jagdspiele: Federangel, Futtermäuse, Suchspiele. Die GCCF empfiehlt Spielzeug, bei dem sie Probleme lösen muss. Wegen des dünnen Fells ist Wohnungshaltung mit gesichertem Balkon sinnvoll. Zur Wärme gibt es unterschiedliche Aussagen: Die CFA schreibt, ohne Unterwolle fühle sie sich in warmer Umgebung am wohlsten, die GCCF hält eine wärmere Umgebung als üblich nicht für nötig. Ein kuscheliges Bett und Schutz vor Kälte und Nässe sind in jedem Fall Pflicht. Die Sonne ist laut CFA ein Thema, denn die Haut ist empfindlich: Begrenze lange Sonnenbäder am Fenster. Mit Kindern und anderen Haustieren kommt sie laut CFA und GCCF gut zurecht, wenn sie Zeit zum Kennenlernen bekommt.
Pflege
Gebürstet wird nur ab und zu. Laut CFA kann die Haut fettig werden, dann hilft ein gelegentliches Bad, aber nur mit einem Produkt, das die Züchterin empfiehlt, kein Menschenshampoo. Ohren und Zehenzwischenräume solltest du regelmäßig kontrollieren und sanft reinigen. Die meisten Lykoi verlieren mindestens einmal einen großen Teil ihres Fells. Laut GCCF und CFA ist das normal, das Fell wächst wieder nach. Während des Fellwechsels können laut CFA eingewachsene Haare vorkommen.
Gesundheit
Rassetypische Erkrankungen sind laut GCCF und CFA bisher nicht bekannt, die Zucht hat von Anfang an auf genetische Vielfalt durch Einkreuzen schwarzer Hauskatzen gesetzt. Langzeitdaten gibt es für eine so junge Rasse noch nicht.
Tierschutzrechtlich ist das reduzierte Haarkleid aber kein Nebenthema. Das Qualzucht-Gutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums führt Anomalien des Haarkleids, vom gestörten Haarwachstum bis zur fast völligen Haarlosigkeit, als tierschutzrelevantes Merkmal und sieht ein Zuchtverbot nach § 11b Tierschutzgesetz für Tiere vor, denen die Tasthaare fehlen. Die Landestierschutzbeauftragte Berlin bezieht das auch auf Tasthaare, die in ihrer Funktion beeinträchtigt sind. Prüfe deshalb bei den Elterntieren genau, ob vollständige, funktionsfähige Schnurrhaare vorhanden sind, und frag nach Hautproblemen in der Linie. Eine Zucht, die dazu ausweicht, ist keine gute Adresse.
Für wen passt die Lykoi?
Für erfahrene Katzenmenschen, die eine aktive, jagdfreudige Katze suchen und bereit sind, Haut, Sonne und Temperatur im Blick zu behalten. Und die sich vorher gründlich mit der Tierschutzfrage beschäftigen.
Für wen eher nicht?
Für alle, die eine ruhige Schmusekatze suchen, oder deren Katze unbeaufsichtigt draußen leben soll. Wer ein gleichmäßiges, pflegeleichtes Fell erwartet, wird mit dem wechselnden Haarkleid ebenfalls nicht glücklich.
Wie alt deine Lykoi in Menschenjahren ist, zeigt der Katzenalter-Rechner. Ob die Rasse zu dir passt, prüfst du im Katzen-Test. Namensideen findest du bei unseren Katzennamen. Und wenn du deine Katze an der Wand haben möchtest: Katzenportraits vom eigenen Foto.
Häufige Fragen
Warum sieht die Lykoi aus wie ein Werwolf? Durch eine natürliche, rezessive Mutation: Ihr fehlt die Unterwolle, Gesicht, Beine und Pfoten sind kaum behaart, und das Fell mischt farbige mit weißen Haaren. Laut GCCF ist sie mit den Haarlos-Mutationen der Sphynx nicht verwandt.
Ist die Lykoi eine Qualzucht? Ein ausdrückliches Verbot für die Rasse gibt es nicht. Das deutsche Qualzucht-Gutachten stuft Anomalien des Haarkleids aber als tierschutzrelevant ein und verbietet die Zucht mit Tieren ohne Tasthaare. Prüfe die Schnurrhaare der Elterntiere.
Verliert eine Lykoi ihr Fell? Ja, die meisten mausern sich laut CFA mindestens einmal fast vollständig. Das ist normal, das Fell wächst nach.
Ist die Lykoi von der FIFe anerkannt? Nur vorläufig, seit 2023. CFA und TICA führen sie dagegen schon als Championatsrasse.
Weiterlesen
Quellen, abgerufen am 05.11.2026: FIFe: Rasseseite Lykoi; WCF: EMS-Code-Liste mit Anerkennung je Verband; GCCF: Lykoi, Rasseporträt; CFA: Lykoi; Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (Verbot von Qualzüchtungen), Bundeslandwirtschaftsministerium (bereitgestellt von tierschutz.hessen.de); Landestierschutzbeauftragte Berlin: Qualzucht bei Katzen.
