Auf der Koppel erkennst du ihn sofort: große weiße und farbige Platten, die wie ein Flickenteppich über den Körper laufen. Beim Pinto steht die Scheckung im Mittelpunkt, der Rest ist erstaunlich vielfältig. Unter dem Namen findest du Ponys, Freizeitpferde und sportliche Reitpferde.
| Typ | Farbzucht mit Plattenscheckung, Pony bis Reitpferd |
|---|---|
| Herkunft | Deutschland (Zuchtbuch gemeinsam geführt von deutschen Zuchtverbänden) |
| Zuchtverband | gemeinsames Ursprungszuchtbuch mehrerer FN-Zuchtverbände, darunter Rheinisches und Westfälisches Pferdestammbuch |
| Stockmaß | laut Zuchtprogramm ab ca. 120 cm |
| Farben | Plattenscheckung in allen Farben mit allen Abzeichen; Tigerschecken nicht in den Hauptabteilungen |
| Verwendung | Reit- und Fahrzwecke jeder Art |
Herkunft und Geschichte
Der Pinto ist keine alte Landrasse, sondern eine Zuchtrasse, die über ihr Farbmerkmal zusammengehalten wird. Die deutschen Zuchtverbände führen das Zuchtbuch über den Ursprung der Rasse gemeinsam, so steht es im Zuchtprogramm des Rheinischen Pferdestammbuchs. Vereinbart wurde diese gemeinsame Führung am 2. Mai 2005.
Das Zuchtbuch ist offen für eine lange Liste anerkannter Rassen, von Shetlandponys bis zu Warmblütern und Kaltblütern. Damit ein Pinto in die Hauptabteilungen eingetragen werden kann, muss mindestens ein Elternteil selbst Plattenschecke sein. Pferde mit mehr als 50 cm Unterschied in der Widerristhöhe dürfen nicht miteinander angepaart werden.
Exterieur
Das Zuchtprogramm verlangt ein korrektes, harmonisches Pferd oder Pony mit trockenem, ausdrucksvollem Kopf, großen freundlichen Augen, gut geformter Halsung und klaren Gliedmaßen. Unerwünscht sind ein derbes, plumpes Erscheinungsbild, ein grober Kopf und unklare Gelenke.
Die Größe beginnt bei etwa 120 cm, nach oben ist sie offen. Ein Pinto kann also ein Kinderpony sein oder ein großrahmiges Reitpferd. Das Farbmerkmal ist die Plattenscheckung in allen Grundfarben. Tigerschecken, also getupfte Pferde, sind in den Hauptabteilungen nicht eintragungsfähig.
Charakter (Interieur)
Gezüchtet wird laut Zuchtprogramm ein umgängliches, charakterlich einwandfreies, unkompliziertes, nervenstarkes und zuverlässiges Pferd oder Pony. Ein guter Charakter und ein ausgeglichenes Temperament sollen erkennbar sein, schwierige, nervöse oder bösartige Tiere sind unerwünscht. Weil die Elterntiere aus sehr unterschiedlichen Rassen kommen dürfen, lohnt sich beim Kauf trotzdem ein genauer Blick auf die Abstammung: Ein Pinto mit viel Vollblut verhält sich anders als einer mit Kaltblut im Pedigree.
Haltung und Fütterung
Haltung und Fütterung richten sich beim Pinto nach Typ und Größe. Ein ponygroßer, leichtfuttriger Schecke braucht eine andere Ration als ein großes Sportpferd. Für alle gilt: viel Bewegung, Sozialkontakt, Raufutter als Basis. Bei Ponys und leichtfuttrigen Typen ist das Risiko für das Equine Metabolische Syndrom und Hufrehe erhöht (University of Kentucky). Begrenze dann die Weidezeit im Frühjahr und kontrolliere regelmäßig den Mähnenkamm.
Ein praktischer Punkt bei großen weißen Flächen: Unpigmentierte Haut, etwa an der Nase, verträgt Sonne schlechter. Ein schattiger Unterstand auf der Weide ist deshalb sinnvoll.
Gesundheit
Das Zuchtziel nennt robuste Gesundheit, gute Belastbarkeit, gute Fruchtbarkeit und das Freisein von Erbfehlern. Ein rassespezifisches Gesundheitsthema bei Scheckenzucht ist der tödliche weiße Overodefekt (OLWS). Laboklin beschreibt ihn als rezessiv vererbten, letalen Defekt: Betroffene Fohlen kommen völlig weiß zur Welt, ihnen fehlen Nervenzellen in der Darmwand, sie entwickeln schwere Koliken und sterben meist nach 24 bis 48 Stunden. Träger sind äußerlich unauffällig.
Für dich als Züchter heißt das: Werden Stute und Hengst mit Overo-Anteil angepaart, gehört ein Gentest beider Elterntiere dazu. Als Käufer eines erwachsenen Pferdes betrifft dich OLWS nicht direkt, für die Zucht aber sehr wohl.
Für wen passt der Pinto?
Für Reiter und Familien, die ein auffällig gefärbtes Pferd in genau der Größe und dem Typ suchen, der zu ihnen passt. Die Bandbreite ist groß, vom Kinderpony bis zum Freizeit- und Turnierpferd.
Für wen eher nicht?
Für alle, die sich allein über die Farbe entscheiden. Bei einer so offenen Zucht sagt die Scheckung wenig über Größe, Temperament und Eignung aus. Prüfe Abstammung, Ausbildung und Gesundheit genauso gründlich wie bei jedem anderen Pferd.
Weiterführend: Was ein Pferd im Monat wirklich kostet, rechnest du mit unserem Pferdekosten-Rechner durch, und vor dem Kauf hilft dir die Checkliste zum Pferdekauf. Ideen für den Stallnamen findest du bei unseren Pferdenamen, und dein eigenes Pferd gibt es als Pferdeportrait vom eigenen Foto.
Häufige Fragen
Was ist ein Pinto? In Deutschland ist der Pinto eine eigene Zuchtrasse, deren Kennzeichen die Plattenscheckung in allen Farben ist. Das Zuchtbuch führen mehrere deutsche Zuchtverbände gemeinsam.
Wie groß wird ein Pinto? Das Zuchtprogramm nennt eine Größe ab ca. 120 cm. Nach oben gibt es keine feste Grenze, Pintos reichen vom Pony bis zum Großpferd.
Ist ein Tigerschecke ein Pinto? Nein. Tigerschecken sind laut Zuchtprogramm in den Hauptabteilungen des Pinto-Zuchtbuchs nicht eintragungsfähig.
Was ist das Lethal White Syndrom? Der tödliche weiße Overodefekt (OLWS) ist ein rezessiv vererbter Defekt. Betroffene Fohlen werden weiß geboren und sterben meist nach 24 bis 48 Stunden.
Weiterlesen
Quellen, abgerufen am 05.11.2026: Rheinisches Pferdestammbuch: Zuchtprogramm Pinto (Stand 02/2025); Laboklin: Tödlicher weißer Overodefekt (OLWS); University of Kentucky Cooperative Extension: Equine Metabolic Syndrome: Is My Horse Just Fat or Is He Sick? (ID-239).
