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Camargue-Pferd

Weißes Camargue-Pferd mit dichter Mähne im flachen Wasser einer Sumpflandschaft

Im Sumpf der Camargue stehen weiße Pferde bis zu den Fesseln im Wasser, die Mähne voller Wind. Mit ihnen treiben die Gardians, die berittenen Hirten der Region, ihre Rinder. Die Pferde sind klein, aber hart, und sie kennen ein Leben fast ohne Stall.

Typ Robustes Reitpferd, Kleinpferd
Herkunft Rhône-Delta in Südfrankreich
Zuchtverband in Deutschland Filialzuchtbuch beim Rheinischen Pferdestammbuch e.V.; Ursprungszuchtbuch bei der Association des Eleveurs de Chevaux de Race Camargue (AECRC), Arles
Stockmaß laut Standard 135 bis 150 cm
Gewicht laut Standard 300 bis 400 kg
Farben immer Schimmel; Fohlen werden dunkel oder stichelhaarig geboren und hellen auf
Verwendung Wander- und Distanzreiten, Turniersport, Fahrsport, Voltigieren, in Frankreich Arbeit am Rind

Herkunft und Geschichte

Die Geschichte des Camargue-Pferdes ist eng mit den Gardians verbunden, den berittenen Hirten, die im Rhône-Delta Rinder treiben (Mad Barn). Offiziell als eigene Rasse anerkannt wurde es vom französischen Staat 1978. Das Stutbuch führt die AECRC in Arles. Ihr Standard schreibt vor, dass die Pferde extensiv gezüchtet werden und sich in völliger Freiheit fortpflanzen; ihre Nahrung soll vor allem die Weide unter freiem Himmel sein, um die Robustheit der Rasse zu erhalten.

Das Zuchtbuch ist geschlossen, gezüchtet wird in Reinzucht. In Deutschland betreut das Rheinische Pferdestammbuch ein Filialzuchtbuch, Anfang 2024 mit 8 Stuten und 9 Hengsten.

Exterieur

Der Standard verlangt einen gut angesetzten, meist eckigen Kopf mit flacher Stirn, geradem Profil und kurzen, weit auseinanderstehenden Ohren. Die Mähne ist üppig, manchmal doppelt. Brust und Schulter sind kräftig, der Rücken mittellang, die Gliedmaßen stark mit breiten Gelenken und einem sehr sicheren, großflächigen Huf. Ausgewachsen misst ein Camargue-Pferd 135 bis 150 cm und wiegt 300 bis 400 kg.

Camargue-Pferde sind immer Schimmel. Bei Geburt sind sie braun oder stichelhaarig und werden mit den Jahren weiß, manchmal mit Fliegenschimmelung. Das Rheinische Pferdestammbuch nennt sie ausdrücklich Spätentwickler.

Charakter (Interieur)

Laut Standard ist das Camargue-Pferd in Ruhe gelassen, wird unter dem Reiter aber lebhaft und wendig. Es gilt als genügsam, handlich, mutig und sehr ausdauernd. Das Zuchtprogramm nennt es hart, wendig und lernbegierig. Weil der Standard die Aufzucht in freier Herde vorschreibt, hatten junge Camargues aus Frankreich oft wenig Kontakt zu Menschen. Plane Zeit für Halfterführigkeit, Hufe geben und Verladen ein.

Haltung und Fütterung

Der Standard beschreibt ein Pferd, das lange Durststrecken und schlechtes Wetter verträgt und mit einfachem, kargem Futter in bester Verfassung bleibt. Genau das wird im deutschen Privatstall zur Falle: Weniger Bewegung und reichhaltiges Futter führen schnell zu Übergewicht, das mit dem Equinen Metabolischen Syndrom zusammenhängt (Mad Barn, University of Kentucky). Am besten passt ein Offenstall oder Paddock-Trail mit Herde, rationiertem Heu und begrenzter Weidezeit, besonders im Frühjahr und Herbst. Auf dauernd nassem Boden droht Mauke; ein trockener Liegeplatz ist Pflicht.

Gesundheit

Rassetypische Erbkrankheiten sind beim Camargue-Pferd laut Mad Barn nicht dokumentiert. Eine französische Genetikstudie, die Mad Barn zitiert, fand nur wenig gemeinsame Abstammung mit anderen Rassen, was viele verbreitete Erbdefekte unwahrscheinlich macht. Die Kehrseite des geschlossenen Zuchtbuchs ist das Risiko von Inzucht, auf das Züchter achten sollten.

In Privathand sind Übergewicht und Hufrehe die größten Risiken. Ein klammer Gang, warme Hufe oder eine Entlastungshaltung mit nach vorn gestellten Vorderbeinen sind ein Notfall für die Tierarztpraxis.

Für wen passt das Camargue-Pferd?

Für Wander- und Distanzreiter, die ein trittsicheres, ausdauerndes Pferd suchen, für Menschen mit Erfahrung in Robusthaltung und für alle, die Geduld mit einem Spätentwickler haben.

Für wen eher nicht?

Für Reitanfänger, die ein junges, wenig gehandhabtes Pferd aus einer Herde übernehmen wollen. Und für Ställe mit reiner Boxenhaltung und üppiger Weide.

Weiterführend: Was ein Pferd im Monat wirklich kostet, rechnest du mit dem Pferdekosten-Rechner durch. Vor dem Kauf hilft dir die Checkliste zum Pferdekauf. Ideen für den Stallnamen findest du bei unseren Pferdenamen, und dein eigenes Pferd gibt es als Pferdeportrait vom eigenen Foto. Alle Rassen im Überblick: Pferderassen von A bis Z.

Häufige Fragen

Wie groß wird ein Camargue-Pferd? Der Rassestandard nennt 1,35 bis 1,50 m Widerristhöhe und 300 bis 400 kg Gewicht.

Warum sind Camargue-Pferde weiß? Sie sind alle Schimmel. Fohlen werden dunkel oder stichelhaarig geboren und werden mit den Jahren weiß.

Ist das Camargue-Pferd ein Pony? Mit bis zu 150 cm liegt es teilweise über der Ponygrenze von 148 cm (FN) und wird als Kleinpferd geführt.

Wofür eignet sich ein Camargue-Pferd? Für Wander- und Distanzreiten, Turnier- und Fahrsport sowie Voltigieren, so das Zuchtprogramm.

Weiterlesen

Quellen, abgerufen am 05.11.2026: Rheinisches Pferdestammbuch e.V.: Zuchtprogramm Camargue mit Rassestandard der AECRC (Stand 02/2025); Mad Barn: Camargue Horse Breed Profile; FN: FAQ zum FEI-Ponymessen, Stand 2026; University of Kentucky Cooperative Extension: Equine Metabolic Syndrome, Is My Horse Just Fat or Is He Sick? (Adams, Camargo, ID-239).

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