Auf der Auktion in Vechta traben junge Pferde durch die Halle, und auf den Rängen sitzen Profis aus aller Welt neben Familien, die ein Freizeitpferd suchen. Beide finden dort Oldenburger. Die Rasse ist heute vor allem für Dressur bekannt, hat aber eine lange Geschichte als Kutsch- und Wirtschaftspferd.
| Typ | Warmblut, Sportpferd |
|---|---|
| Herkunft | Deutschland, ehemaliges Großherzogtum Oldenburg (Niedersachsen) |
| Zuchtverband in Deutschland | Verband der Züchter des Oldenburger Pferdes (OL) unter dem Dach des Oldenburger Pferdezuchtverbands, Vechta; daneben Springpferdezuchtverband Oldenburg-International (OS) |
| Stockmaß | laut Zuchtprogramm dreijährig ca. 160 bis 170 cm |
| Farben | alle Farben |
| Verwendung | Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Freizeit |
Herkunft und Geschichte
Den Grundstein legte Graf Anton Günther von Oldenburg (1583 bis 1667) mit Hengsten aus Neapel, Spanien, England, Polen und dem Orient. Daraus entstand ein beliebtes Schul-, Reit- und Wagenpferd. 1820 fand die erste Hengstkörung im Großherzogtum statt, 1891 erschien das erste Oldenburger Stutbuch, 1923 und 1924 schlossen sich zwei Verbände zum Verband der Züchter des Oldenburger Pferdes zusammen (Oldenburger Pferdezuchtverband, Historie).
Ab 1959 begann mit dem Vollbluthengst Adonis xx die Umzüchtung zum modernen Sportpferd, in den 1960er Jahren öffnete sich das Zuchtbuch für weitere Veredler, später kamen französische Anglo-Normannen hinzu. Seit 2006 umfasst das Zuchtgebiet ganz Deutschland. Nach eigenen Angaben ist Oldenburg seit 2020 gemessen an den registrierten Fohlen der größte Pferdezuchtverband Deutschlands.
Exterieur
Gezüchtet wird ein edles, großliniges, korrektes, leistungsstarkes und gesundes Sportpferd mit schwungvollen, raumgreifenden, elastischen Bewegungen. Die Widerristhöhe soll dreijährig etwa 160 bis 170 cm betragen. Erwünscht sind ein ausdrucksvoller, edler Kopf mit großem, freundlichem Auge, ein mittellanger, gut angesetzter Hals, ein langer, markanter Widerrist mit großer, schräger Schulter und ein Rahmen im Rechteckformat. Unerwünscht sind ein grober Kopf, Unterhals und ein derbes, plumpes Gesamtbild (Zuchtprogramm OL).
Charakter (Interieur)
Das Zuchtprogramm wünscht ein rittiges, vielseitig veranlagtes und leistungsbereites Pferd, unkompliziert und umgänglich, zugleich einsatzfreudig, nervenstark und verlässlich, mit gelassenem, ausgeglichenem Temperament. Unerwünscht sind im Umgang schwierige, nervöse oder heftige Pferde. Das ist das Ziel; das einzelne Pferd solltest du trotzdem immer selbst probereiten.
Haltung und Fütterung
Ein Sportpferd braucht täglich mehr Bewegung als eine Trainingseinheit. Weide oder Paddock mit Artgenossen halten den Kopf frei und den Bewegungsapparat stabil. Grundlage der Fütterung ist ausreichend Heu, Kraftfutter gibt es nach Leistung und Körperzustand.
Gesundheit
Alle Hengste, die ins Hengstbuch I oder II eingetragen werden, werden seit 2019 auf WFFS getestet, eine rezessive Bindegewebserkrankung bei Fohlen. Der Status wird veröffentlicht, hat aber keinen Einfluss auf die Eintragung (Zuchtprogramm OL). In einer Studie mit über 4000 Pferden lag die Trägerfrequenz bei Hannoveranern und Dänischen Warmblütern bei bis zu 17 Prozent (Reiter et al. 2020). Paare deshalb nie zwei Träger miteinander an.
Für die Körung verlangt der Verband digitale Röntgenaufnahmen, und Pferde mit gesundheitsbeeinträchtigenden Merkmalen kommen nicht ins Hengst- oder Stutbuch I und II. Osteochondrose ist bei Warmblütern insgesamt verbreitet; in einer niederländischen Studie hatten nur 30,5 Prozent der untersuchten Warmblutjährlinge in allen Gelenken unauffällige Röntgenbilder (Van Grevenhof et al. 2009). Eine Ankaufsuntersuchung mit Röntgenbildern lohnt sich.
Für wen passt der Oldenburger?
Für Dressur- und Springreiter vom ambitionierten Amateur bis zum Profi und für Freizeitreiter, die ein rittiges, großrahmiges Pferd mit gutem Charakter suchen.
Für wen eher nicht?
Für Menschen, die ein genügsames Robustpferd für ganzjährige Weidehaltung ohne viel Arbeit suchen, und für Reiter, die ein handliches, kleineres Pferd mit weniger Raumgriff bevorzugen.
Weiterführend: Was ein Pferd im Monat wirklich kostet, rechnest du mit unserem Pferdekosten-Rechner durch, und vor dem Kauf hilft dir die Checkliste zum Pferdekauf. Ideen für den Stallnamen findest du bei unseren Pferdenamen, und dein eigenes Pferd gibt es als Pferdeportrait vom eigenen Foto. Alle Rassen im Überblick: Pferderassen von A bis Z.
Häufige Fragen
Wie groß wird ein Oldenburger? Laut Zuchtprogramm soll die Widerristhöhe mit drei Jahren etwa 160 bis 170 cm betragen.
Wofür wird der Oldenburger gezüchtet? Als Sportpferd für Sportzwecke jeder Art. Der OL-Verband züchtet vor allem mit Schwerpunkt Dressur, der OS-Verband Springpferde.
Wo sitzt der Oldenburger Verband? In Vechta in Niedersachsen. Seit 2006 umfasst das Zuchtgebiet ganz Deutschland.
Werden Oldenburger Hengste auf Erbkrankheiten getestet? Ja, seit 2019 werden alle eingetragenen Hengste auf WFFS getestet. Der Status wird veröffentlicht.
Weiterlesen
Quellen, abgerufen am 05.11.2026: Verband der Züchter des Oldenburger Pferdes: Zuchtprogramm OL; Oldenburger Pferdezuchtverband: Historie; Reiter S et al.: Distribution of the Warmblood Fragile Foal Syndrome Type 1 Mutation in Different Horse Breeds from Europe and the United States, Genes 2020; Van Grevenhof EM et al.: Prevalence of various radiographic manifestations of osteochondrosis in Dutch warmblood horses, Equine Vet J 2009.
