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Pferd kaufen: Die ehrliche Checkliste vor dem ersten eigenen Pferd

Reiterin prüft das Bein eines Pferdes am Stall

Es gibt Menschen, die reiten seit zwanzig Jahren und haben nie ein eigenes Pferd gekauft, weil sie wissen, was es bedeutet. Und es gibt Menschen, die nach einem Jahr Reitunterricht das erste Verkaufspferd kaufen, das sie im Internet sehen. Die ersten sind manchmal zu vorsichtig. Die zweiten stehen ein Jahr später mit einem Pferd da, das nicht zu ihnen passt, in einem Stall, den sie sich nicht leisten können. Diese Checkliste ist für alle dazwischen: Menschen, die den Traum ernst nehmen und deshalb ehrlich hinschauen.

Vor dem Kauf: Vier Fragen, die du dir selbst stellst

1. Kann ich es mir leisten, auch wenn etwas schiefgeht?

Der Kaufpreis ist der kleinste Posten. Ein Freizeitpferd kostet realistisch 450 bis 900 Euro im Monat (Stall, Hufschmied, Tierarzt, Versicherung, Futter, Ausrüstung), in Stadtnähe auch über 1.000. Dazu ein Notfallpolster von mindestens 3.000 Euro oder eine OP-Versicherung, denn eine Kolik-OP kostet 5.000 bis 10.000 Euro. Wenn dein Budget das über zehn Jahre nicht hergibt, ist der Zeitpunkt noch nicht da.

2. Habe ich die Zeit?

Ein Pferd braucht dich sechs bis sieben Tage die Woche, mindestens anderthalb Stunden pro Besuch, plus Fahrtzeit. Urlaub, Krankheit, Prüfungsphasen: Wer springt ein? Ohne Plan B kein Pferd.

3. Kann ich gut genug reiten und führen?

Ehrlich: Kannst du ein Pferd allein satteln, in allen Gangarten sicher reiten, im Gelände kontrollieren, ein Pferd führen, das erschrickt? Wenn nein, ist eine Reitbeteiligung für ein bis zwei Jahre die bessere Vorbereitung. Sie kostet 100 bis 250 Euro im Monat und lehrt dich alles, was der Reitunterricht nicht lehrt: Pferdealltag.

4. Was will ich mit dem Pferd?

Gelände und Wanderreiten, Dressur, Springen, Bodenarbeit, einfach Zeit im Stall? Die Antwort bestimmt Rasse, Alter, Ausbildungsstand und Preis. „Irgendwas“ ist keine Antwort, mit der man kaufen sollte.

Die Suche

  • Das richtige Pferd für Anfänger ist alt. Acht bis fünfzehn Jahre, gut ausgebildet, nervenstark, mit Erfahrung. Ein junges Pferd für einen Anfänger ist die klassische Fehlkombination: Zwei, die es nicht wissen.
  • Verkäufer prüfen. Privatverkäufer mit Geschichte und Fotos aus mehreren Jahren sind meist ehrlicher als Händler mit dreißig Pferden auf dem Hof. Bei Händlern: Gewährleistung ist gesetzlich, nutze sie.
  • Anzeigen lesen lernen. „Braucht erfahrene Hand“ heißt schwierig. „Kein Anfängerpferd“ heißt, was es heißt. „Gesund, keine Vorerkrankungen“ ohne Unterlagen heißt nichts.
  • Nimm jemanden mit. Ein Trainer, eine erfahrene Reiterin, jemand, der nicht verliebt ist. Immer.

Das Probereiten

Mindestens zweimal, an verschiedenen Tagen, möglichst einmal unangekündigt früh. Du siehst das Pferd im Stall, beim Putzen, Satteln, Führen, in der Halle, im Gelände. Der Verkäufer reitet zuerst, dann du. Achte auf: Wie verhält es sich beim Aufsteigen, bei anderen Pferden, allein im Gelände, beim Verladen? Ein Pferd, das nur vorgeführt wird, aber nie mit dir allein sein darf, hat einen Grund.

Die Ankaufsuntersuchung

Immer. Ohne Ausnahme. Von einem Tierarzt, den du aussuchst, nicht der Verkäufer. Die kleine AKU (klinische Untersuchung, Beugeproben, Herz, Augen, Lunge) kostet 150 bis 300 Euro. Die große AKU mit Röntgen der Beine (mindestens 10 bis 18 Aufnahmen) kostet 500 bis 1.200 Euro. Bei einem Pferd über 5.000 Euro oder mit Sportambitionen ist die große AKU Pflicht. Lass dir die Bilder geben und aufheben. Und: Eine AKU ist eine Momentaufnahme, kein Garantieschein. Aber sie verhindert die größten Fehlkäufe.

Der Vertrag

  • Schriftlich, immer, auch unter Freunden.
  • Name, Lebensnummer, Equidenpass-Nummer, Alter, Geschlecht, Farbe, Abzeichen.
  • Kaufpreis, Zahlungsweise, Übergabetermin, Gefahrübergang.
  • Bekannte Vorerkrankungen, Unarten (Koppen, Weben, Steigen) ausdrücklich genannt.
  • Ergebnis der AKU als Anlage.
  • Bei Händlern: keine Gewährleistungsausschlüsse akzeptieren, die sind gegenüber Verbrauchern unwirksam.
  • Equidenpass und Eigentumsurkunde bei Übergabe, sonst kein Geld.

Die ersten Wochen

Ein neues Pferd braucht vier bis acht Wochen, um anzukommen. Es wird anders sein als beim Probereiten, oft unsicherer. Kein Turnier, kein Geländeritt allein in der ersten Woche. Routine, Ruhe, Bodenarbeit, Vertrauen. Stallplatz vorher gesichert, Versicherungen ab Tag eins (Haftpflicht ist Pflicht, OP dringend), Hufschmied und Tierarzt informiert.

Die ehrlichste Frage zum Schluss

Würdest du das Pferd auch kaufen, wenn es nicht das Fell und die Mähne hätte, in die du dich verliebt hast? Wenn die Antwort ja ist, weil Charakter, Ausbildung, Gesundheit und Preis passen, dann ist es dein Pferd. Und dann verstehen wir auch, warum das erste Foto von euch beiden irgendwann an der Wand hängen soll.

Das Print My Pet Team

Wir leben mit Hunden, Katzen und einem alten Haflinger. Was wir schreiben, haben wir selbst durchgemacht.

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