Es gibt ein Bild, das viele im Kopf haben, wenn sie eine zweite Katze holen: zwei Tiere, ineinander verschlungen auf dem Sofa, die sich gegenseitig die Ohren putzen. Und dann kommt der Tag, an dem die neue Katze aus dem Karton kommt, die alte einen Buckel macht wie ein Halloween-Aufkleber und für drei Tage unter dem Bett verschwindet. Beides ist real. Der Unterschied liegt in der Auswahl der Katze und in den ersten zwei Wochen. Wer die übereilt, zahlt oft monatelang.
Vorab: Welche Katze passt?
Katzen sind keine Rudeltiere wie Hunde, sondern soziale Einzelgänger, die sich Gesellschaft aussuchen. Sie akzeptieren nicht jede beliebige Katze, sondern die, die zu ihnen passt. Die Faustregeln aus Tierheimen und Katzenhilfen:
- Alter: Ähnliches Alter oder maximal ein paar Jahre Unterschied. Ein Kitten zu einer zwölfjährigen Katze ist Stress für die Alte, nicht Gesellschaft.
- Temperament: Verspielt zu verspielt, ruhig zu ruhig. Eine Bengal zu einer Britisch Kurzhaar ist ein Dauerkonflikt.
- Geschlecht: Kater und Katze oder zwei Kater klappen oft am besten, zwei Kätzinnen können sich schwertun. Alle kastriert, sonst geht gar nichts.
- Vorgeschichte: Eine Katze, die schon mal mit anderen Katzen gelebt hat, tut sich leichter. Tierheime wissen oft, wer verträglich ist.
Die Vorbereitung
Bevor die neue Katze kommt: ein eigener Raum für sie, mit Klo, Futter, Wasser, Kratzbaum, Versteck. Zusätzliche Ressourcen in der ganzen Wohnung, denn die Regel heißt: Anzahl der Katzen plus eins. Zwei Katzen, drei Klos, mehrere Futterstellen, mehrere Schlafplätze, mehrere erhöhte Aussichtspunkte. Katzen streiten selten um Zuneigung, fast immer um Ressourcen und Wege.
Der Plan
Tag 1 bis 3: Komplett getrennt
Die neue Katze bleibt in ihrem Zimmer, Tür zu. Sie soll erst einmal ankommen, fressen, aufs Klo gehen, sich verstecken dürfen. Die alte Katze riecht sie unter der Tür durch und weiß, dass da jemand ist. Das reicht. Du verbringst Zeit mit beiden, getrennt, und wäschst dir dazwischen nicht die Hände: Du bist der Geruchsträger.
Tag 3 bis 7: Geruchstausch
Decken, Kissen und Spielzeug werden getauscht. Du streichst der einen Katze mit einem Tuch über die Wangen und legst es der anderen hin. Wenn beide die Sachen beschnüffeln und sich dann daraufsetzen, ist das ein gutes Zeichen. Fauchen aufs Tuch: noch ein paar Tage.
Woche 2: Die Gittertür
Ein Babygitter oder ein Fliegengitter in der Tür, sodass sie sich sehen und riechen, aber nicht erreichen können. Beide bekommen auf ihrer Seite ihr Lieblingsfutter, erst mit Abstand zur Tür, dann jeden Tag ein Stück näher. Sehen und Fressen wird verknüpft, das ist der Kern der Methode. Fauchen und Knurren ist normal, Angriffe aufs Gitter bedeuten: Abstand vergrößern.
Woche 3: Erste Begegnungen
Kurz, beaufsichtigt, mit Spielangel und Leckerlis. Fünf Minuten, dann wieder trennen, bevor es kippt. Jeden Tag länger. Katzen, die sich beim Spielen mit der Angel ignorieren, sind auf dem besten Weg. Katzen, die sich anstarren und die Ohren anlegen, brauchen länger.
Woche 4 und danach
Unbeaufsichtigt erst, wenn sie mehrere Tage entspannt im selben Raum waren. Nachts weiter trennen, bis du sicher bist. Der ganze Prozess dauert bei manchen zwei Wochen, bei anderen drei Monate. Das Tempo bestimmt die ängstlichere Katze.
Was du nicht tun solltest
- Beide sofort zusammen lassen, um zu sehen, was passiert. Ein schlechter erster Eindruck ist für Katzen sehr schwer zu korrigieren.
- Die neue Katze bevorzugen. Die alte Katze braucht jetzt mehr Aufmerksamkeit, nicht weniger.
- Bei Fauchen eingreifen. Fauchen ist Kommunikation, kein Kampf. Eingreifen nur bei echten Angriffen mit Fellbüscheln, dann mit einem Kissen dazwischen, nie mit den Händen.
- Zu früh aufgeben. Drei Wochen Fauchen ist kein Scheitern. Drei Monate ohne Fortschritt ist ein Grund für einen Katzenverhaltensberater.
Wann es wirklich nicht passt
Manche Katzen wollen keine zweite Katze, das gibt es. Anzeichen nach zwei bis drei Monaten: Eine Katze frisst nicht mehr, markiert, versteckt sich dauerhaft, verliert Gewicht. Dann ist Rückgabe an das Tierheim keine Niederlage, sondern Verantwortung. Gute Tierheime bieten das ausdrücklich an.
Wenn es klappt
Der Moment, in dem du morgens ins Wohnzimmer kommst und beide auf dem Sofa liegen, mit einer Pfote am anderen, ohne dass sie es merken, ist der Lohn für die Gittertür-Wochen. Und er ist für viele der Anlass für ein Doppelportrait. Zwei Katzen auf einem Bild funktionieren übrigens auch mit zwei getrennten Fotos, wir setzen sie zusammen.
