In der dritten Woche mit dem Welpen sehen viele Unterarme aus, als hätte man mit einer Katze gerungen. Der Welpe springt, schnappt, hängt an der Hose, zwickt in die Wade und findet das alles großartig. Das ist kein Zeichen für einen aggressiven Hund. Es ist ein Welpe, der die Welt mit dem Maul erkundet und noch nicht weiß, wie fest zu fest ist. Genau das lernt er jetzt, und zwar nur jetzt: Die Beißhemmung, also die Fähigkeit, die Kraft der Kiefer zu dosieren, wird zwischen der 8. und etwa der 18. Lebenswoche gelernt. Danach wird es viel schwerer.
Warum Beißhemmung die wichtigste Lektion ist
Ein erwachsener Hund, der als Welpe gelernt hat, wie viel Druck menschliche Haut verträgt, wird auch in einer Stresssituation, beim Tierarzt oder wenn ein Kind ihm auf die Pfote tritt, nur zwicken statt zubeißen. Ein Hund, der es nie gelernt hat, kann aus Schreck ernsthaft verletzen. Deshalb bringen gute Hundetrainer den Welpenbesitzern zuerst Beißhemmung bei, dann alles andere.
Was im Wurf passiert und was du übernimmst
Bei den Geschwistern lernt der Welpe: Wer zu fest beißt, mit dem wird nicht mehr gespielt. Das Geschwisterchen quietscht und geht weg. Das Spiel ist vorbei. Genau dieses Prinzip übernimmst du. Nicht mehr, nicht weniger.
Der Ablauf, der funktioniert
Schritt 1: Das Signal
Wenn er zu fest zubeißt, sagst du ein kurzes, ruhiges „Au“ oder „Nein“, nicht schrill, nicht laut. Manche Welpen finden ein hohes Quietschen lustig und legen nach, dann lieber ein tiefes, ruhiges Wort. Gleichzeitig wird deine Hand weich und still. Keine ruckartige Bewegung, die lädt zum Nachjagen ein.
Schritt 2: Das Spiel endet
Du stehst auf, drehst dich weg, verschränkst die Arme, bist für zehn bis zwanzig Sekunden langweilig. Wenn er weiter an den Beinen hängt, gehst du aus dem Raum, Tür zu, zwanzig Sekunden. Dann kommst du zurück und machst weiter, als wäre nichts gewesen.
Schritt 3: Die Alternative
Ein Welpe muss kauen und beißen, das ist ein Bedürfnis, kein Fehler. Also bietest du ihm etwas an, das er beißen darf: ein Spielseil, einen Kauknochen, ein Zergel. Die Regel: Zähne an Haut beendet das Spiel, Zähne am Spielzeug macht das Spiel spannender. Er lernt den Unterschied in ein bis zwei Wochen.
Schritt 4: Die Dosierung
Anfangs reagierst du nur auf richtig festes Zubeißen. Wenn das seltener wird, reagierst du auf mittleres Zwicken. Dann auf leichtes. Nach vier bis sechs Wochen sollte er Haut nur noch mit dem Maul berühren, ohne Druck. Das ist das Ziel: nicht „nie das Maul an der Hand“, sondern „das Maul an der Hand, ohne wehzutun“.
Die Fehler, die alles schlimmer machen
- Schnauzengriff, Nackenschütteln, auf den Rücken drehen. Diese Methoden aus alten Büchern machen Angst, nicht Beißhemmung. Ein Welpe, der Angst vor deiner Hand hat, beißt später aus Angst.
- Mit den Händen spielen. Wer den Welpen mit der Hand rauft, bringt ihm bei, dass Hände Beute sind. Immer Spielzeug dazwischen.
- Wegziehen und wedeln. Eine Hand, die zuckt, ist ein Beutetier. Still werden funktioniert besser als fliehen.
- Inkonsequenz in der Familie. Wenn Papa das Zwicken lustig findet und Mama es verbietet, lernt der Welpe nichts außer Verwirrung. Eine Regel für alle.
- Übermüdung ignorieren. Die meisten Beißattacken kommen abends, wenn der Welpe überdreht ist. Das ist kein Erziehungsproblem, sondern ein Schlafproblem. Welpen brauchen 18 bis 20 Stunden Schlaf. Ab in die Box oder auf die Decke, Ruhe.
Kinder und Welpe
Kinder quietschen, rennen, wedeln mit den Armen, sie sind für einen Welpen das perfekte Beutespiel. Regel: Kinder spielen mit dem Welpen nur mit Spielzeug in der Hand und nur, wenn ein Erwachsener dabei ist. Wenn er zwickt, wird das Kind zur Statue: Arme verschränken, stehen bleiben, nicht schreien. Das übt man vorher ohne Hund.
Wann es nicht normal ist
Wenn ein Welpe knurrt und dabei steif wird, wenn er beim Anfassen von Futter oder Spielzeug schnappt, wenn er mit sechs Monaten noch fest zubeißt, oder wenn du dich vor ihm fürchtest: Hol dir einen Trainer, der mit positiver Verstärkung arbeitet. Je früher, desto einfacher. Das ist keine Schande, sondern das, was die meisten guten Hundehalter irgendwann tun.
Zum Trost
Die Piranha-Phase geht vorbei. Mit dem Zahnwechsel ab dem vierten Monat wird es besser, mit sechs Monaten ist es meistens vorbei. Was bleibt, ist ein Hund, der weiß, wie vorsichtig er mit dir sein muss. Und ein paar Narben an den Unterarmen, die du in zwei Jahren mit Stolz zeigst.
