Wenn Hundetrainer gefragt werden, welche Rasse sie Anfängern mit Kindern empfehlen, fällt der Havaneser fast immer. Und das zu Recht: Kaum ein Hund ist so ausgeglichen, so lernwillig, so unkompliziert im Umgang mit Menschen jeder Größe. Der kleine Kubaner ist in den letzten Jahren in Deutschland von der Rarität zum Top-10-Hund geworden. Aber „anfängertauglich“ heißt nicht „anspruchslos“. Wer sich einen Havaneser holt, weil er wenig Arbeit macht, wird beim Thema Fell und Alleinbleiben vom Gegenteil überzeugt.
Steckbrief
- Herkunft: Kuba, entstanden aus Bichon-Hunden spanischer Siedler
- Größe: 23 bis 27 cm
- Gewicht: 4 bis 7 kg
- Lebenserwartung: 13 bis 16 Jahre
- Fell: Lang, seidig, leicht gewellt, in allen Farben, kaum haarend
- Charakter: Fröhlich, anhänglich, verspielt, sensibel, lernbegierig
Charakter: Der Hund, der alle mag
Ein Havaneser begrüßt Fremde wie alte Freunde. Er spielt mit Kindern, ohne zu schnappen, kommt mit Katzen aus, freut sich über andere Hunde. Er ist verspielt bis ins hohe Alter, lernt Tricks aus Spaß und will bei allem dabei sein. Seine Sensibilität ist sein Vorteil und sein Risiko: Er spürt Stimmungen sofort, nimmt harsche Worte persönlich und braucht eine Erziehung, die auf Lob statt Strenge setzt.
Was ihn von anderen Kleinhunden unterscheidet: Er ist ein Begleithund ohne Jagdtrieb, ohne Wachtrieb, ohne Aggressionspotenzial. Das macht ihn so leicht im Alltag. Und es macht ihn zu einem Hund, der ohne seine Menschen wirklich nicht kann.
Der ehrliche Reality-Check
1. Das Fell ist ein Zweitjob
Der Havaneser haart kaum, deshalb gilt er als allergikerfreundlich. Der Preis dafür: Das lange, seidige Haar verfilzt innerhalb von Tagen, wenn es nicht gebürstet wird. Täglich zehn Minuten mit Bürste und Kamm, vor allem hinter den Ohren, in den Achseln und am Bauch. Alle sechs bis acht Wochen ein Bad, alle zwei bis drei Monate ein Schnitt, entweder selbst gelernt oder beim Hundefriseur für 50 bis 80 Euro. Wer das nicht leisten will, lässt ihn im kurzen Welpenschnitt scheren. Auch schön, aber immer noch bürsten.
2. Er kann nicht allein sein, außer man bringt es ihm bei
Der Havaneser wurde über Jahrhunderte als Gesellschafter gezüchtet. Allein zu sein liegt nicht in seiner Natur. Trennungsangst ist bei dieser Rasse eines der häufigsten Probleme: Bellen, Heulen, Zerstören, Pfützen. Es lässt sich vermeiden, wenn man ab der ersten Woche in kleinen Schritten übt, Minuten, dann Viertelstunden, dann Stunden. Wer Vollzeit arbeitet und keine Betreuung hat, sollte keinen Havaneser holen.
3. Die Tränenspuren und die Zähne
Helle Havaneser bekommen oft rostbraune Tränenspuren unter den Augen, meist harmlos, aber täglich abzuwischen. Und wie bei allen kleinen Hunden stehen die Zähne eng: Zahnstein und Parodontitis sind häufig. Zähneputzen von klein auf, Kontrolle beim Tierarzt.
4. Gesundheit: Kniescheiben, Augen, Herz
Patellaluxation, Augenerkrankungen wie Katarakt und PRA sowie Herzklappenprobleme kommen in der Rasse vor. Seriöse Züchter im VDH lassen Kniescheiben und Augen untersuchen und zeigen dir die Befunde. Der Havaneser-Boom hat viele Vermehrer angelockt, die Welpen für 800 Euro ohne Papiere anbieten. Diese Hunde haben oft Angststörungen und Gelenkprobleme. Ein Welpe vom Züchter kostet 1.800 bis 2.800 Euro, und der Unterschied ist spürbar.
5. Er ist kein Sofakissen
Klein heißt nicht bewegungsarm. Ein Havaneser will eine Stunde am Tag raus, liebt Agility im Kleinformat, Trickdogging und Suchspiele. Ein unausgelasteter Havaneser wird nervös und kläffig, ein ausgelasteter ist der ruhigste Hund im Café.
Haltung: Was er braucht
- Menschen um sich. Homeoffice, Familie, Rentnerhaushalt, Hundebüro: alles, wo er nicht acht Stunden allein ist.
- Tägliche Fellpflege als Ritual, am besten abends auf dem Schoß.
- Positive Erziehung. Clicker, Leckerli, Stimme. Nie Druck.
- Kopfarbeit. Er lernt schnell und wird ohne Aufgaben trübsinnig.
- Frühe Sozialisierung. Er ist freundlich veranlagt, aber Schreckhaftigkeit kommt in manchen Linien vor.
Für wen passt der Havaneser?
Für Familien mit Kindern, für Erstbesitzer, für Senioren, für Allergiker mit Vorbehalt (vorher testen). Für alle, die einen Hund als Familienmitglied wollen, nicht als Gartenbewohner. Nicht für Berufstätige ohne Betreuung und nicht für Menschen, die keine Lust auf Fellpflege haben.
Häufige Fragen
Ist der Havaneser ein Allergikerhund? Er haart kaum, aber Allergien reagieren auf Speichel und Hautschuppen. Vorher beim Züchter Zeit mit den Hunden verbringen.
Bellt er viel? Er meldet, aber weniger als Spitz oder Dackel. Mit Erziehung ein ruhiger Hund.
Havaneser oder Malteser? Sehr ähnlich. Der Havaneser ist etwas robuster und verspielter, der Malteser ruhiger und noch pflegeintensiver im weißen Fell.
Und auf dem Portrait?
Das seidige Fell und die dunklen Knopfaugen machen den Havaneser zum Aquarell- und Pastell-Liebling: Die weichen Verläufe passen zu seinem Wesen. Für das Foto: frisch gebürstet, Haare aus den Augen, Fensterlicht von der Seite, damit das Fell glänzt.