Zwei Kilo Hund, und in diesen zwei Kilo steckt die Selbstsicherheit eines Rottweilers. Der Chihuahua ist die kleinste Hunderasse der Welt und gleichzeitig eine der missverstandensten. Er wird in Taschen getragen, in Pullover gesteckt, hochgehoben, sobald ein anderer Hund auftaucht. Und dann wundern sich alle, warum er kläfft, zittert und schnappt. Wer den Chihuahua als Hund behandelt, bekommt einen erstaunlich mutigen, klugen, anhänglichen Begleiter. Wer ihn als Spielzeug behandelt, bekommt ein Nervenbündel.
Steckbrief
- Herkunft: Mexiko, benannt nach dem Bundesstaat Chihuahua
- Größe: 15 bis 23 cm
- Gewicht: 1,5 bis 3 kg (alles unter 1,5 kg ist Qualzucht, nicht Rarität)
- Lebenserwartung: 14 bis 18 Jahre, oft älter
- Fell: Kurzhaar oder Langhaar, in allen Farben
- Charakter: Selbstbewusst, wachsam, eng an seinen Menschen gebunden, intelligent
Charakter: Großer Hund im kleinen Körper
Ein Chihuahua weiß nicht, dass er klein ist. Er meldet Fremde, verteidigt sein Sofa und stellt sich größeren Hunden entgegen, wenn er es für nötig hält. Das ist keine Aggression, sondern das Selbstbild eines Hundes, der über Jahrhunderte als vollwertiger Hund gehalten wurde. Er ist schnell im Kopf, lernt Tricks in Minuten und hat einen ausgeprägten Sinn dafür, wer ihn ernst nimmt.
Seine Bindung ist absolut. Ein Chihuahua wählt einen Menschen und bleibt ein Leben lang bei ihm. Er liegt auf dem Schoß, im Bett, im Nacken. Wer das nicht will, sollte eine andere Rasse wählen. Wer es will, hat einen Hund, der wirklich für einen da ist.
Der ehrliche Reality-Check
1. Das Kläffen ist hausgemacht
Chihuahuas kläffen nicht mehr als andere Hunde, aber sie werden seltener erzogen. Weil er so klein ist, lassen Halter ihm Dinge durchgehen, die sie einem Labrador nie erlauben würden: Bellen an der Tür, Knurren beim Hochheben, Schnappen nach Besuch. Ein Chihuahua braucht dieselbe Erziehung wie ein großer Hund: Hundeschule, klare Regeln, Frustrationstoleranz. Wer das macht, hat einen leisen, souveränen Hund.
2. Die Zähne
Der kleine Kiefer hat Platz für 42 Zähne wie jeder Hund, und die stehen entsprechend eng. Zahnstein, Zahnfleischentzündung und früher Zahnverlust sind bei Chihuahuas die Regel, nicht die Ausnahme. Zähneputzen ab dem Welpenalter, zwei- bis dreimal die Woche, ist kein Luxus. Dazu oft Milchzähne, die nicht ausfallen und gezogen werden müssen.
3. Kopf, Knie, Herz
Viele Chihuahuas haben eine offene Fontanelle, eine weiche Stelle am Schädel, die nie ganz schließt. Der Hund darf dort nicht getroffen werden. Dazu kommen die Patellaluxation (herausspringende Kniescheibe, Grad 1 bis 4, seriöse Züchter lassen untersuchen), Herzklappenprobleme im Alter und Unterzuckerung bei Welpen. Der extrem runde Apfelkopf mit hervorstehenden Augen ist Qualzucht-Gebiet. Ein gesunder Chihuahua hat eine erkennbare Schnauze.
4. Er friert wirklich
Der Mantel im Winter ist kein Modestatement. Unter 5 Grad braucht ein Kurzhaar-Chihuahua bei längeren Spaziergängen Schutz. Aber: Er braucht die Spaziergänge. Ein Chihuahua, der im Winter nur auf die Pipimatte geht, verlernt die Stubenreinheit und die Welt.
5. Er ist zerbrechlich, aber kein Wattebausch
Ein Sturz vom Sofa kann ein Bein brechen. Ein Tritt in der Küche auch. Kleinkinder und Chihuahuas sind eine schwierige Kombination, weil Kinder ihn tragen wollen und er das hasst. Gleichzeitig braucht er Alltag: Stadt, Bahn, andere Hunde, Regen. Ein Chihuahua, der alles vom Arm aus erlebt, wird ängstlich.
Haltung: Was er braucht
- Erziehung wie ein großer Hund. Welpenschule, Leinenführigkeit, Alleinbleiben üben.
- Boden statt Arm. Er darf laufen, schnüffeln, Hunde treffen. Hochheben nur, wenn es wirklich gefährlich wird.
- Zahnpflege von Anfang an, jährliche Kontrolle.
- Kleine Mahlzeiten, zwei bis drei am Tag, wegen Unterzuckerung.
- Ein zweiter Chihuahua? Oft eine gute Idee. Sie sind Rudeltiere im Kleinformat und beruhigen sich gegenseitig.
Für wen passt der Chihuahua?
Für Menschen in der Stadt mit wenig Platz, aber viel Zeit. Für Senioren, die einen Hund wollen, der ihnen körperlich nicht über den Kopf wächst. Für Menschen, die einen echten Begleiter suchen, der überall mit darf. Nicht für Familien mit Kleinkindern, nicht für Menschen, die einen Hund wollen, der nicht auffallen soll.
Häufige Fragen
Wie lange kann ein Chihuahua allein bleiben? Mit Training vier bis fünf Stunden. Er bindet sich so eng, dass Trennungsangst häufig ist. Früh üben.
Was kostet ein Chihuahua? Vom seriösen Züchter 1.200 bis 2.000 Euro. Teacup-Angebote für 3.000 Euro und mehr sind Qualzucht.
Kurzhaar oder Langhaar? Charakter gleich. Langhaar friert weniger, muss aber gebürstet werden.
Und auf dem Portrait?
Die riesigen Ohren und die großen Augen machen den Chihuahua zum perfekten Cartoon- und Pixar-Motiv. Fotografiere ihn auf Augenhöhe, also auf dem Boden liegend, sonst wird er auf dem Bild zum Kopf mit Beinen. Ein Leckerli hinter dem Handy, und die Ohren stehen.
